IPCC: Bericht 2014

Einleitung

Vom 25. bis zum 29. März 2014 tagte das "Interngovernmental Panel on Climate Change" (IPCC), zu deutsch der "Weltklimarat" im japanischen Yokohama. Der Weltklimarat mit Sitz in Genf hat fast 200 Mitgliedsländer und wurde 1988 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen gegründet. Sein Ziel ist die Politikberatung. Alle fünf bis sechs Jahre veröffentlicht er einen neuen Sachstandsbericht: 1995 kam der zweite heraus und der dritte wurde Anfang 2001 veröffentlicht. Seine damaligen Hauptaussagen waren, dass erstens, der Klimawandel bereits stattfindet und zweitens, dass ein Großteil der registrierten Erwärmung auf menschliche Aktivitäten zurückgeht. Daher sei bis 2100 von einem Temperaturanstieg um 1,4 bis 5,8 Grad Celsius auszugehen. Außerdem seien die Verursacher des Klimawandels die Industrieländer und die Leidtragenden die Entwicklungsländer.

Im vierten Sachstandsbericht, der 2007 veröffentlicht wurde, wurden die bisherigen Aussagen stark untermauert. Es wurden nicht nur die Fakten untermauert, sondern die Auswirkungen fallen sogar schwerer aus als bisher angenommen. Für seine Leistungen wurde dem Weltklimarat der Friedensnobelpreis verliehen.

Die fünfte Berichtsaison hat am 23. September 2013 begonnen und soll innerhalb eines Jahres, bis November 2014, in Form des fünften Sachstandsbericht zum Fortgang der Erderwärmung beendet werden.
Der erste, im September veröffentlichte Teil, handelte von den Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Die Hauptaussage lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte.
Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe 2 mit Vertretern von Regierungen aus aller Welt hatten sich im März 2014 in Yokohama mit dem Themenkomplex "Auswirkungen und Anpassung an den Klimawandel" auseinander gesetzt und sich auf eine fast 50-seitige Zusammenfassung des neuen, rund 2.000 Seiten dicken zweiten Teil des Klimaberichtes geeinigt.
Demzufolge wird die Arbeitsgruppe 3 ihren Bericht "Verminderung des Klimawandels" zwischen dem 7. und 11. April in Berlin beenden. Seit dem 23. September 2014 wird der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates zur Erderwärmung veröffentlicht. Der Synthesebericht wird vom 27. bis 31. Oktober 2014 in Kopenhagen verabschiedet werden. Die Berichte dienen als Grundlage für Politiker und internationale Konferenzen.


Der fünfte Bericht

Arbeitsgruppe 2, Kapitel 2:
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe 2 zu "Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit" zeigen, dass der Klimawandel längst auf allen Kontinenten und in allen Weltmeeren stattfindet. Seine Wirkung auf Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und den Menschen können die Wissenschaftler nun sehr viel genauer bestimmen als noch beim vorherigen Sachstandsbericht 2007. Die Ergebnisse, zum Beispiel zum Thema Ernährungssicherheit oder bei der Versauerung der Meere, seien jetzt detailreicher und präziser. So betonte Michel Jarraud von der Weltorganisation für Meteorologie WMO:"Dass viele Extremwetterereignisse ohne menschlichen Einfluss nicht möglich wären, kann man jetzt klar sagen".

Der Bericht zeigt, dass die mittleren Ernteerträge bei Getreide um rund zwei Prozent pro Dekade sinken werden. Es kann bei ausbleibenden Emissionsreduktionen sogar soweit kommen, dass man bei Weizen und Reis sogar mit noch größeren Rückgängen rechnen muss. Die Wissenschaftler beobachten ebenfalls ein zunehmendes Baumsterben sowie fortschreitende Wasserknappheit in ohnehin schon trockenen Regionen und die Ausrottung vieler Amphibien in Mittelamerika. Außerdem zeigt der Bericht, dass viele Arten generell überfordert seien, sich an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen, da der Wandel einfach zu schnell voran geht. Die negative Folge sei, dass die Tiere bei der Suche nach kühleren Lebensräumen teils Hunderte von Kilometern zurücklegen müssten.

Des Weiteren wurde gezeigt, dass der Klimawandel auch eine negative Wirkung auf die Gesundheit des Menschen hätte. Weitere Folgen in ärmeren Ländern, Küstenregionen und Inselstaaten seien, dass bereits dort durch den Anstieg des Meeresspiegels und Sturmfluten "Tod, Verletzung und Verlust der Heimat" drohten. Das Thema Klimaflüchtlinge und ihre Anerkennung wird künftig noch mehr auf der Agenda stehen. In Europa macht sich der Klimawandel aber auch bemerkbar – durch Hitzestress. Erstmals enthält der Sachstandbericht auch viele regionale Informationen. Die Arbeitsgruppe 2 hat einen zusätzlichen Teilband über die einzelnen Weltregionen vorgelegt; darin findet sich auch ein Kapitel zu Europa.

Laut Maggie Opondo von der University of Nairobi von der Arbeitsgruppe 2, ist die Welt bislang aber noch schlecht vorbereitet auf die Risiken, die der Klimawandel schafft oder verstärkt. Es sei noch viel zu tun, "damit die Welt ein besserer Ort wird", unterstrichen alle sieben IPCC-Vertreter auf dem Podium.

Christopher Field, Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe 2, sagte auf der Pressekonferenz, dass sie jedoch kein Pessimismus verbreiten wollten, da es genügend Gründe für Optimismus gäbe. Inzwischen seien auch schon viele Schritte unternommen worden in Sachen Emissionsreduktion, Anpassung und Nachhaltigkeit – sei es durch das Pflanzen von Mangroven, sei es durch Flutschutz. Mittlerweile gebe es einen "großen Pool an Optionen und an Erfahrungen", so Field. Es sei klar geworden: "Man kann etwas tun." Und zwar nicht nur als direkte Reaktion auf Katastrophen, sondern zum Aufbau von mehr Resilienz, also Widerstandsfähigkeit. "Investitionen in Anpassungsmaßnahmen werden nicht mehr nur als tote Investition angesehen", sagte Field, "sondern als etwas, das Nutzen bringt".


Arbeitsgruppe 3, Kapitel 3:
Der dritte Teil des Fünften IPCC-Sachstandsbericht wurde vom 7. bis 11. April 2014 in Berlin verabschiedet. Der Bericht zeigt ökonomische, technologische und politische Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels auf.

In diesem Teil haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass trotz Klimaschutzanstrengungen die weltweiten Treibhausgas-Emissionen (THG) durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum mit zunehmender Geschwindigkeit angestiegen sind. In dieser Dekade erreichten sie einen Höchststand.
Die Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze ist nur möglich mit einem tiefgreifenderen Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft. Außerdem wird durch die Verzögerung weiterer globaler Maßnahmen zum Klimaschutz die Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze erschwert, Handlungsmöglichkeiten reduziert und eine erhebliche Steigerung künftiger Klimaschutzkosten anvisiert. Daher gilt: Je weniger die Emissionen bis 2030 reduziert wurden, desto schneller müssen die Emissionen zwischen 2030 und 2050 sinken.

Die Bundesumweltministerin Hendricks nimmt dazu folgendermaßen Stellung: „Wir müssen jetzt alles daran setzen, im Klimaschutz beherzt voran zu gehen. Deutschland kann dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn wir der Welt am praktischen Beispiel zeigen, dass Klimaschutz in einem Industrieland funktioniert. Auf nationaler Ebene wollen wir nun in allen Bereichen nach den effizientesten Lösungen für den Klimaschutz suchen, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Auf internationaler Ebene ist es wichtig, dass in diesem und nächsten Jahr die Weichen für ein verbindliches,
weltweites Abkommen für die Zeit nach 2020 gestellt werden. Europa muss hier die Führung übernehmen. Darum wollen wir so schnell wie möglich ein EU-weites Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 festlegen. Der Bericht des Weltklimarats zeigt, dass erneuerbare Energien und Energieeffizienz zentrale Bausteine für mehr Klimaschutz sind. Darum brauchen wir auch eigene Ziele für diese beiden Bereiche.“
Die Klimaschutzmaßnahmen im Energiesektor, der größten Emissionsquelle von Treibhausgasen, müssten auf eine vollständige Dekarbonisierung zielen. Auf Seiten der Verbraucher stehen Energieeinsparungen sowie der Einsatz kohlenstoffarmer Energieträger im Vordergrund. Weitere wichtige Minderungsoptionen bestehen in der Industrie, im Gebäude- und Transportbereich sowie in der Landnutzung. Eine klimafreundliche Stadtentwicklung sowie vorausschauende Infrastrukturmaßnahmen können zusätzlich Emissionen vermeiden. Durch Verhaltensänderungen können technologische und strukturelle Klimaschutzmaßnahmen ergänzt werden.
Das Klima ist ein globales Allgemeingut, daher kann weltweiter Klimaschutz nur durch internationale Kooperation erreicht werden. Ergänzende Politikmaßnahmen bis hin zur lokalen Ebene spielen eine zentrale Rolle, um die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise zu befördern.

Kritik

Während der Erstellung des fünften Klimaberichts wurde der Unmut der Klimaforscher immer größer, da der Aufwand immens sei und seine Bedeutung für die Politik von ihnen in Frage gestellt würde. Denn seit 1990 haben Umweltforscher im Auftrag des Uno-Klimarats IPCC insgesamt drei Klimaberichte erarbeitet, die zusammen mehr als 5000 Seiten umfassen. Für den ersten Teil wurden nach IPCC-Angaben allein schon 9200 Studien gesichtet, 54.677 Kommentare geprüft, um schließlich 1552 Seiten Sachstand widerzugeben.
Durch die Berichte erfahren die Leser detaillierte Informationen über den Klimawandel, sodass die Forscher einen Großteil ihrer Zeit für das Projekt opfern. Zwar der IPCC-Report das Renommee der Autoren, doch die Konsequenzen, die aus diesem Bericht gezogen werden, erscheinen den Forscher noch zu gering. Außerdem seien die entscheidenden Fragen zum Klimawandel bereits gelöst worden.

Das hat zur Folge, dass die Forscher eine Reform des IPPC-Berichts planen. So schlägt der Vorsitzende der Uno-Klimaverhandlungen in Stockholm, Thomas Stocker, vor, kleine Klimaberichte zu einzelnen Fragen zu erstellen. Der leitende IPCC-Forscher Jochem Marotzke ist der Meinung, das Teile des IPCC-Berichts verzichtbar seien und man sich nur auf bestimmte Themen konzentrieren sollte. In einem Interview mit Spiegel-Online sagt Herr Marotzke: "Wir sollten uns auf Gebiete fokussieren, die für Entscheidungsträger auch tatsächlich relevant sind, etwa Extremereignisse, Meeresspiegelanstieg oder den Zusammenhang zwischen Klimazielen und Emissionsminderungen. Nur eine Handvoll Themen stößt auf ein genügend breites Interesse außerhalb der Wissenschaft, um die Aufnahme in die Zusammenfassung zu rechtfertigen. Diese Aspekte waren uns praktisch alle bekannt, als wir mit dem Verfassen des Berichts begannen. Wir hätten also auch eine Auslese treffen und manche Themen weglassen können." Außerdem schlägt Jochem Marotzke im Sinne der Reform vor, dass die Wissenschaftler erst mit der Arbeit beginnen, wenn sie bereits mit den Regierungsvertretern die für die Politik relevanten Klima-Themen festgelegt haben. Wenn dann noch ausführliche Berichtsteile erforderlich sind, dann sollten diese lediglich zur Untermauerung derjenigen Themen dienen, die auch tatsächlich in der Zusammenfassung für Politiker auftauchen. Vorteile sieht er darin, dass die Regierungen die notwendige Information effizienter und effektiver erhalten und Wissenschaftler sich wieder vermehrt der freien Grundlagenforschung widmen könnten. Denn mittlerweile ziele, laut Marotzke, nämlich immer mehr Forschung darauf ab, im IPCC-Bericht verwertet werden zu können: Doch man brauche nicht zwingend jedes neue Szenario, nur weil einem gerade wieder ein neues Modell zur Verfügung stünde.


Dokumente

Wie ein IPCC-Bericht entsteht: "The Preparation of IPCC Reports" als PDF, hier eine Kurzfassung
Der Fünfte IPCC-Sachstandsbericht
Kernbotschaften des 1.Berichts (Wissenschaftliche Grundlagen), (PDF)
Kernbotschaften des 2.Berichts (Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit), (PDF)
Fünfter Sachstandsbericht des IPCC, Teilbericht 3: Kernbotschaften des 3.Berichts (Minderung des Klimawandels), (PDF)
Pressemitteilung zum 3.Bericht, (PDF)


Interne Links

Externe Links

Homepage IPCC
Weltklimabericht 2014
IPCC Arbeitsgruppe2-Bericht
Die deutsche IPCC-Koordinierungsstelle
IPCC- Intergovernmental Panel on Climate Change
Klimareport- zeit-online.de
Forscher- Revolte -spiegel-online.de
IPCC 3. Sachstandsbericht

Schlagworte

Weltklimarat

Letzte Aktualisierung

09.11.2015 10:50

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