Nachhaltige Landwirtschaft

Einleitung

Der Begriff der 'Nachhaltigkeit' kann auf viele verschiedene Branchefelder angewandt werden. So auch auf die Landwirtschaft. Der Ursprung der Nachhaltigkeit lässt sich in der Landwirtschaft wiederfinden. In den letzten Jahren hat die nachhaltige Landwirtschaft (sustainable agriculture) immer mehr an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt wegen der gestiegenen Zahl der Weltbevölkerung. Die Aufgabe der Landwirtschaft war und ist in diesem Kontext die Deckung des zunehmenden Bedarfs an nachwachsenden Ressourcen. Nebenbei soll die Landwirtschaft produktiv genug sein, um Krisen in Entwicklungsländern entgegenzuwirken oder gar abzuwenden. Gleichzeitig darf die Landwirtschaft nicht zur Verknappung der endlichen Ressourcen und Flächen beitragen. Die Landwirtschaft steht vor einer schwierigen Aufgabe. Zukunftsgerichtete Prognosen sagen einen 40 prozentigen Wachstum der Weltbevölkerung in den nächsten 40 Jahren voraus. Dadurch steigt nicht nur der Bedarf an Nahrungsmitteln, sondern auch an Arbeitsplätzen, Wohnräumen etc.. Ziel der EU ist es bis zum Jahr 2020, mindestens 20 Prozent ihres gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die USA hingegen wollen bis 2022 ihrem Benzin sieben Mal so viel Biokraftstoffe beimischen wie bisher. Fraglich ist hierbei, wie die Landwirtschaft all diese Ansprüche nachhaltig befriedigen kann.


Landwirtschaft und Ressourcen

Mit den steigenden Ansprüchen an die Landwirtschaft läuft ein zunehmender Ressourcenverbrauch einher. Acker- und Weideland machen bereits heute ungefähr 40 Prozent der Landfläche der Erde aus. Einzig der Waldbestand bildet ein ähnlich großes Ökosystem. Zuwächse in der Landwirtschaft können somit nicht durch den Ausbau der landwirtschaftlichen Nutzflächen kompensiert werden, zumindest nicht ohne dabei Naturlandschaften (und Kohlenstoffsenken) wie Regenwälder, Grünland oder Feuchtgebiete zu zerstören. Darüber hinaus erhöht das Bevölkerungswachstum und der damit einhergehender Siedlungsdruck und Infrastrukturausbau den globalen Flächenbedarf. Hinzu kommt das auf einem Großteil der landwirtschaftlichen Fläche die Bodenqualität abnimmt. In den letzten 60 Jahren hat menschliches Handeln fast 40 Prozent der Ackerfläche zumindest teilweise degeneriert. Bodenerosion, Nährstoffverluste durch Auswaschung oder Emission oder Versalzung durch falsche Bewässerung sind einige Ursachen dieser Entwicklung. Die Konsequenz daraus ist das die Landwirtschaft die zukünftigen Herausforderungen mit schlechter werdenden Grundvoraussetzungen bewältigen muss. Neben der Ausdehnung der absoluten Ackerfläche konnten in den letzten Jahrzehnten Ertragszuwächse in der Landwirtschaft zu einem Großteil durch die Verwendung von Düngemitteln erzielt werden. Allerdings wirken sich nicht alle Düngemittel positiv auf die Umwelt aus. So hat z.B. der massive Einsatz von Stickstoff und Phosphor in Düngemitteln einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität. Außerdem sind einige der wichtigsten Nährstoffe, die derzeit in Düngemitteln verwendet werden, endlich. Vorhersagen gehen z.B. davon aus, dass die Vorräte von Phosphor in einigen Jahrzehnten erschöpft sind. Einer der wichtigsten Faktoren in der Landwirtschaft ist das Element Wasser. Über 70 Prozent des weltweiten Wasserbedarfs fällt auf diese zurück. Abhängig von den klimatischen Verhältnissen sind sogar bis zu 90 Prozent des Wasserbedarfs eines Landes auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Problematisch ist das eine weitere Ausweitung des Wasserverbrauchs für die Landwirtschaft dem Bevölkerungswachstum und der Industrie gegenübersteht. Mittlerweile wird fast ein Fünftel aller Ackerflächen bewässert. Mit der Bewässerung findet jedoch auch eine zunehmende Versalzung der Böden statt. Dies bedeutet, dass die Landwirtschaft die steigenden Ansprüche an sie ohne eine Steigerung ihres Wasserverbrauchs erwirtschaften muss.


Ziele der nachhaltigen Landwirtschaft

Für eine Definition der nachhaltigen Landwirtschaft gibt es unterschiedliche Interpretationen. Gesamtheitlich betrachtet verfolgen sie jedoch alle dieselben Ziele. Nachhaltige Landwirtschaft muss ökonomisch sinnvoll und sozial verantwortbar sein. Sie muss darauf ausgerichtet sein, Land, Wasser und genetische Ressourcen für künftige Generationen zu bewahren. Der Ursprung der Nachhaltigkeitsdiskussion liegt im 17. und 18. Jahrhundert und war maßgeblich auf die Nutzung der Wälder ausgerichtet. In Deutschland ist das Konzept mit dem Namen 'Hans Carl von Carlowitz' verbunden. Wenn sich aus den vielfältigen Diskussionen eine Lehre für die landwirtschaftliche Nutzung ziehen lässt, dann ist es die Notwendigkeit eines kohärenten und wissenschaftsbasierten Konzepts und der klaren gesellschaftspolitischen Umsetzung – bis hin zur globalen Verankerung etwa im Rahmen anerkannter Zertifizierungssysteme. Hier liegt für die Landwirtschaft zukünftig eine zentrale Aufgabe. Entscheidendes Kennzeichen der nachhaltigen Entwicklung ist die gleichwertige Berücksichtigung der Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales. Gerade in der Einbeziehung von ökonomischen und sozialen Aspekten liegt die besondere Herausforderung. Sie macht deutlich, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur „umweltfreundlich“ meint, sondern weit darüber hinausgeht. Eine nachhaltige Entwicklung soll im Endergebnis sicherlich umweltfreundlich oder umweltschonend sein, gleichzeitig aber auch die ökonomischen und sozialen Anforderungen erfüllen. Damit die Landwirtschaft einem nachhaltigen Standard entspricht sind verschiedene Maßnahmen durchzuführen. Die Begrenzung der Nachfrage nach Gütern aus der Landwirtschaft oder aber eine Steigerung der Effizienz der Landwirtschaft, d.h. der Produktion von mehr Gütern mit weniger oder alternativen Ressourcen wären Wege zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Während eine Begrenzung der Nachfrage auf eine strikte Verhaltenskontrolle der Menschen hinausläuft (von der Reglementierung der Ernährungsweise bis hin zur Geburtenkontrolle), kann eine Steigerung der Effizienz nur durch innovative Forschung und technischen Wandel erreicht werden. Ansätze zu mehr Innovation liefern z.B. ein Gutachten des BioÖkonomie Rats „Innovation-BioÖkonomie“, ein Abschlussbericht des BMBF-Fachforums „Pflanzenforschung, Klima, Nachhaltigkeit“ oder die „Petersberger Thesen“. Allen gemein ist die Forderung nach verstärkter inter- und transdisziplinärer Forschung und Entwicklung, die Forderung, die finanziellen Aufwendungen in Agrar-, Ernährungs-, Umwelt- und Klimaforschung zu erhöhen und eine verstärkte internationale Kooperation.


Ökologischer Landschaftsbau

Damit die Landwirtschaft das Ziel der Nachhaltigkeit umsetzen kann wird in der Gegenwart aber auch in der Zukunft verstärkt auf den ökologischen Landschaftsbau gesetzt. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) stellt sich der Aufgabe, die Rahmenbedingungen für die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft und andere Formen nachhaltiger Landbewirtschaftung in Deutschland zu verbessern und die Voraussetzungen für ein gleichgewichtiges Wachstum von Angebot und Nachfrage zu erzielen. Der ökologische Landbau lässt auf eine lange Tradition zurückblicken. So wurde bereits 1924 die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise eingeführt. Der Leitgedanke des ökologischen Landschaftsbau ist ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Hierbei ist es besonders wichtig das die Landbaumethoden:

  • einen möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf erreichen,
  • die Bodenfruchtbarkeit erhalten,
  • Menschen, Tiere und die Umwelt nicht negativ beeinträchtigt werden.
Um dies zu erreichen stehen verschiedene Maßnahmen im Fokus der Aufmerksamkeit:

  • Pflanzenschutz ohne synthetisch-chemische Mittel, Anbau wenig anfälliger Sorten in geeigneten Fruchtfolgen, mechanische Bekämpfung von Unkraut (Verbrennen, Abhacken)
  • keine Verwendung von leicht löslichen mineralischen Dünger sondern Ausbringung von organisch gebundenem Stickstoff in Form von Mist oder Kompost
  • Pflege der Bodenfruchtbarkeit durch eine ausgeprägte Humuswirtschaft
  • begrenzter, an die Fläche angepasster Viehbesatz
  • weitgehender Verzicht auf Antibiotika
Der ökologische Landschaftsbau ist im besonderen Maße auf Nachhaltigkeit ausgelegt, er enthält und schütz die natürlichen Ressourcen in einem ausgedehnten Maße und wirkt sich somit positiv auf die Umwelt aus. Der damit einhergehende Bodenschutz ist nur ein Beispiel der positiven Auswirkungen. Im Rahmen ökologischer Landbaumethoden wird die Humusbildung und dadurch das Leben im Boden und dessen Aktivität gefördert. So ist in den Böden der Felder von Biobauern die mikrobielle Aktivität in der Regel höher als in den Böden konventioneller Felder. Durch einen höheren Anteil an Mikroorganismen im Boden nimmt zudem auch die Bodenfruchtbarkeit zu, während Erosion und Degradation vermieden werden.
Auch der Gewässerschutz wird durch den ökologischen Landbau vorangetrieben. Grund- und Oberflächenwasser werden in Folge dessen weniger stark belastet. Der Ausschluss chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel trägt zur Vermeidung von Nitrat im Grundwasser bei. Zudem fallen durch die Viehhaltung keine überschüssigen Nährstoffe an. Mit dem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel wird zudem die Vielfalt der Tier- und Pflanzengesellschaften gefördert. Auf den ökologischen Flächen finden sich häufig eine weitaus größere Artenzahl als auf Flächen welche mit chemischen Düngemitteln betrieben werden. Mehr dazu finden Sie auch hier.


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Schlagworte

Landwirtschaft, Nachhaltiges Wirtschaften, Nachhaltigkeit, Nachwachsende Rohstoffe, Naturschutz

Letzte Aktualisierung

20.03.2017 14:07

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