Bevölkerungswachstum: Szenarien

Die Weltbevölkerung liegt mittlerweile bei über 7 Mrd. Menschen (Stand 2014). Eine Prognose über die Entwicklung der Weltbevölkerung finden Sie auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes.

Bevölkerungszahl, Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen: Revision März 2009
Im Jahr 2009 leben 6,7 Milliarden Menschen auf der Welt. Die Sechs-Milliarden-Marke wurde 1999 erreicht. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) geht davon aus, dass die Bevölkerung bis zum Jahre 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen steigen wird. Der UNFPA legte im März 2009 seine aktuellste Revision der Bevölkerungsprojektionen vor. Es gibt verschiedene Varianten, welche sich durch die Annahmen über die zukünftige Fertilität (Kinderzahl pro Frau) unterscheiden. Ein Anstieg bis 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen ist die mittlere Variante des UNFPA. Hierbei wird von einem Sinken der Fertilität von derzeit 2,56 auf 2,02 Kinder pro Frau ausgegangen. Wenn hingegen die durchschnittliche Kinderzahl um ein halbes Kind höher läge im Vergleich zur mittleren Variante würde die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 10,5 Milliarden steigen (hohe Variante). Bei einem halben Kind weniger im Vergleich zur mittleren Variante würde die Bevölkerung bis 2050 auf 8 Milliarden Menschen steigen (niedrige Variante). Unter der Annahme, dass die Fertilität konstant bleiben würde, würde die Bevölkerung auf 11 Milliarden anwachsen (konstante Variante).

Auffällig ist jedoch, dass das Bevölkerungswachstum vornehmlich in den Entwicklungsländern stattfindet. Bis 2050 soll dort die Bevölkerung von derzeit 5,6 Milliarden auf knapp 7,9 Milliarden anwachsen. In den 49 ärmsten Ländern der Welt wird sich die Bevölkerung von derzeit 0,8 Milliarden auf 1,7 Milliarden Menschen verdoppeln. Diese Entwicklungen erschweren die Arbeit im Kampf gegen Armut.

Ein weiterer Aspekt, der den aktuellen UN-Bevölkerungsprojektionen zu entnehmen ist, ist der der Alterung. Es wird angenommen, dass sich weltweit die Anzahl von Personen im Alter von über 60 Jahren bis 2050 verdreifachen wird. Betrachtet man ausschließlich die Industrienationen, treten diese Tendenzen noch verstärkt auf. So wird voraussichtlich im Jahre 2050 in den Industrienationen ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung veröffentlicht Zusammenfassungen dieser Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen unter folgenden Links:
Diese Bevölkerungsentwicklungen stellen ein Problem für eine nachhaltige Entwicklung dar.

Strategien gegen Bevölkerungswachstum
Es gibt verschiedene Strategien gegen das Bevölkerungswachstum, die sich an unterschiedlichen Grundsätzen orientieren müssen.
Internationale Einigung auf bevölkerungspolitische Grundsätze wurde auf den Weltbevölkerungskonferenzen erzielt, insbesondere auf der letzten Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994. Die Strategien gegen Bevölkerungswachstum müssen in eine nachhaltige Entwicklungspolitik eingebettet sein. Dazu drängt die Erkenntnis, dass das Bevölkerungswachstum hauptsächlich in den armen Regionen der Welt stattfindet. Diese Regionen sind meist von allen "negativen Strukturmerkmalen der Unterentwicklung" (Nuscheler - S. 2) betroffen. Die Länder, in denen erhebliche Defizite im Bildungs- und Gesundheitssystem existieren, sind von hohem Bevölkerungswachstum geprägt. In den Ländern, in denen die Alphabetisierungsraten unter Frauen stiegen und die Kindersterblichkeitsraten gesenkt werden konnten, lässt sich ein Sinken des Bevölkerungswachstums erkennen (Nuscheler, S. 2). Dies bedeutet, dass Investitionen in Infrastruktur, Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsysteme ein Sinken des Bevölkerungswachstum herbeiführen können, und somit eine geeignete Strategie gegen hohes Bevölkerungswachstum darstellt. Natürlich spielen dabei noch andere, wie beispielsweise regionale und kulturelle Faktoren, eine Rolle. Doch auch viele Studien belegen, dass mit steigendem Bildungsgrad der Frauen die Zahl der Kinder und die der ungewollten Schwangerschaften deutlich sinken (Nuscheler, S. 4). Dies ist ein Beispiel dafür, dass es für eine verantwortliche Bevölkerungspolitik nicht an Handlungsempfehlungen und Möglichkeiten sondern vielmehr an politischem Willen fehlt.

Eine verantwortliche Bevölkerungspolitik muss die Selbstbestimmung der Familien achten. In Bezug auf diesen Grundsatz ist die Ein-Kind-Politik Chinas sicherlich problematisch. Die Anforderungen an eine verantwortungsvolle Bevölkerungspolitik werden in folgendem Artikel von Klaus M. Leisinger (Direktor der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung) diskutiert.

Institutionen
Drei Institutionen, die sich mit Bevölkerungswachstum beschäftigen, sind von besonderer Bedeutung:

Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA)
1967 wurde auf Basis einer Entscheidung der Generalversammlung, die Technische Hilfe der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der Bevölkerungsentwicklung zu verstärken, ein Treuhandfonds für Bevölkerungsfragen (United Nations Trust Fund for Population Activities) eingerichtet. 1969 wurde dieser Fonds der Verwaltung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) unterstellt und in "United Nations Fund for Population Activities" (UNFPA) umbenannt. Der UNFPA besitzt seit 1979 den Status eines Spezialorgans der Generalversammlung. Die engen Beziehungen zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen wurden nicht aufgegeben. 1987 änderte die Generalversammlung den Namen in "United Nations Population Fund" (UNFPA).
Der UNFPA ist der weltweit größte Fonds zur Finanzierung von Bevölkerungsprogrammen. Im Mittelpunkt der Arbeit des UNFPA stehen Programme zur Familienplanung, Aufklärungs-, Informations- und Ausbildungsprogramme, Sonderprogramme für Frauen, Maßnahmen der medizinischen Versorgung und die Errichtung von Dokumentationszentren. Jährlich gibt der UNFPA einen Weltbevölkerungsbericht heraus, der sich mit aktuellen Problemen der Bevölkerungsentwicklung beschäftigt. Die Weltbevölkerungskonferenzen werden von dem UNFPA im Auftrag der Generalversammlung und des Wirtschafts- und Sozialrats alle zehn Jahre veranstaltet. Bisher fanden die Konferenzen im Jahre 1974 in Bukarest, im Jahre 1984 in Mexiko-City und zuletzt 1994 in Kairo statt. 2004 fand keine Weltbevölkerungskonferenz statt.

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
In Deutschland beschäftigt sich insbesondere die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit dem Bevölkerungswachstum. Sie ist eine international tätige Entwicklungsorganisation, die 1991 als private gemeinnützige Stiftung gegründet wurde. Die Zentrale der DSW ist in Hannover. Darüber hinaus hat die DSW Länderbüros in Äthiopien, Kenia, Tansania, Uganda und Brüssel. Die Stiftung finanziert sich über Spenden und finanzielle Unterstützungen von Unternehmen. Darüber hinaus erhält die DSW öffentliche Zuschüsse vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Europäischen Kommission, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), der KFW-Entwicklungsbank und der Weltbank. Die DSW unterstützt Familienplanungs- und Aufklärungsprojekte in Afrika und Asien. Dabei steht die Aufklärungsarbeit über Sexualität und Verhütung von Jugendlichen im Mittelpunkt, mit dem Ziel ungewollte Schwangerschaften und HIV Infektionen zu vermeiden. Neben den Projekten in den Entwicklungsländern betreibt die DSW Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland. Es wird eine aktive Presse- und Informationsarbeit in Deutschland betrieben mit dem Ziel die Öffentlichkeit über Bevölkerungsentwicklungen, Armut und Gesundheit aufzuklären. Die DSW engagiert sich in Zusammenschlüssen wie dem Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und dem Aktionsbündnis gegen Aids.

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Eine weitere Organisation, die sich in Deutschland mit Bevölkerungsfragen beschäftigt, ist das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Die Stiftung Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung wurde im November 2000 gegründet und ist ein unabhängiges wissenschaftliches Forschungsinstitut, welches sich aus Spenden, Projektförderungen, Erträgen aus dem Stiftungskapital und Zustiftungen finanziert. Es unterstützt nicht wie die DSW oder der UNFPA Projekte in den Entwicklungsländern, sondern zielt darauf ab, die Öffentlichkeit in Deutschland über demografische Entwicklungen aufzuklären und für diese zu sensibilisieren.
Das Berlin-Institut versucht neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen und zu verbreiten. Dabei wird versucht neue Konzepte zur Lösung demografischer Probleme zu erarbeiten. Die Homepage des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung bietet zahlreiche Informationen rund um das Thema Bevölkerungswachstum. In dem Online-Handbuch Demografie des Berlin-Institutes können viele Begriffe nachgeschlagen werden.


Dokumente
Interne Links
Externe Links
Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA)
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Statistischea Bundesamt
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
KFW-Entwicklungsbank
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO)
Aktionsbündnis gegen Aids
Online-Handbuch Demografie des Berlin-Institutes
Faktor X
Wolfgang Hafenmayer: Lösungen, Lösungen, Lösungen
Karan Khosla: Per capita justice
Postwachstumsökonomie: Niko Paech: Nicht die Welt retten, sondern uns selbst

Schlagworte

Anpassung, Bevölkerung, Demographischer Wandel, Probleme

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 10:44

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