Weltgipfel Rio +20, Rio 2012

Einleitung
2012 jährte sich der sogenannte "Weltgipfel" von Rio de Janeiro zum 20. Mal. Die Weltgemeinschaft vereinbarte 1992 unter anderem das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsprogramm Agenda 21, das als Meilenstein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit gilt. Die dritte Nachfolgekonferenz "Rio + 20" (neben "Rio + 5" 1997 in New York und "Rio + 10" 2002 in Johannesburg), fand vom 20.06. - 22.06.2012 erneut in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro statt. Die Konferenz sollte auf "höchster politischer Ebene" stattfinden, die Staats- und Regierungschefs der Welt wollten der nachhaltigen Entwicklung dort neuen Schwung verleihen.

Vorbereitungen
Die Vorbereitungen für Rio +20 fanden auf verschiedenen Ebenen statt.
Auf den Vorbereitungstreffen wurden Entwürfe ausgehandelt, die schließlich in einem Entwurf des Abschlussdokument endeten.


Auch in Deutschland fanden Vorbereitungstreffen statt. Das Umweltbundesamt veranstaltete am 29./30. September 2011die internationale Konferenz "Green Markets - World of Sustainable Products", um "zukunftsweisende Perspektiven und strategische Ansätze der Umweltpolitik" im Hinblick auf nachhaltige, grüne Märkte zu diskutieren.

Entwurf "Zero Draft
Am 10. Januar 2012 wurde der sogenannte "Zero Draft" mit dem Titel "The Future we want" veröffentlicht. Eine Stellungnahme vom Rat für Nachhaltige Entwicklung stufte diesen positiv ein.

Green Economy
Diese Vorbereitungen haben während des ersten Treffens des Vorbereitungskomitees Mitte Mai 2010 im UN-Hauptquartier in New York bereits "mit vielen Fragen und Zweifeln aus Entwicklungsländern" begonnen. Bezüglich des Themenschwerpunktes einer "grüneren" Wirtschaft gerieten reiche und arme Länder verbal aneinander. Während sich Vertreter von Industrieländern für Maßnahmen hin zu einer "grüneren" Wirtschaft aussprachen, befürchteten die Entwicklungsländer wirtschaftliche Nachteile und warfen den Industrienationen vor, "ihre Märkte künftig durch höhere Umweltstandards ab[zu]schotten und dies mit Nachhaltigkeitszielen [zu] begründen. Ein namentlich nicht genannter Delegierter bezeichnete Ideen zu einer 'grünen' Wirtschaft als 'grünen Neo-Kapitalismus'." (Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung)

Weitere Informationen zum Thema bietet die Homepage des UN-Umweltprogramms zur Green Economy und Informationen zur Debatte hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung zusammengestellt.

Abschlussdokument "The Future we want"
Das Abschlussdokument "The Future we want" (Die Zukunft die wir wollen) wurde bereits auf den Vorbereitungstreffen ausgehandelt und am Abend vor dem Gipfel vorgelegt. Sowohl die EU, als auch Deutschland kritisierten das Dokument. Streitpunkte waren vor allem die Erhebung des UN-Umweltprogramms UNEP zu einer vollwertigen UN-Agentur, sowie der Plan zum Meeresschutz in dem auf hoher See Schutzgebiete eingerichtet werden sollen. Vor allem Die USA und Venezuela waren gegen solche Pläne, da vor allem die USA eine Einschränkung der Mobilität ihrer Kriegsflotte befürchtete.

Inhalt des Dokuments:

  • Kampf gegen die Armut
  • Anerkennung und Bestätigung der Rio Richtlinien und bereits bestehender Umwelt-/Nachhaltigkeitsstrategien,
  • Entwicklung einer Wirtschaft basierend auf nachhaltiger Entwicklung und der Armutsbekämpfung (Green Economy),
  • ein institutioneller Rahmen der nachhaltigen Entwicklung, also die Einbindung des Leitbilds in die politischen Systeme der UN-Mitgliedsstaaten und auf internationaler Ebene,
  • Erhebung des UN-Umweltprogramms (UNEP) zu einer vollwertigen UN-Agentur.
Weitere Informationen und aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen über das deut­sche En­ga­ge­ment zur Vor­be­rei­tung der Rio-2012-Kon­fe­renz finden Sie auf der Homepage des BMZ.

Kritik
Insgesamt wurde der Gipfel sehr gemischt aufgenommen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat Stellungnahmen zusammengefasst: "Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich kritisch zum Abschlussdokument des Nachhaltigkeitsgipfels: „Die Rio-Ergebnisse sind hinter dem zurückgeblieben, was angesichts der Ausgangslage notwendig gewesen wäre.“ Trotzdem habe es in Rio Schritte in die richtige Richtung gegeben, etwa beim Thema Green Economy oder bei der Stärkung des UN-Umweltprogramms. ... Der ecuadorianische Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta kritisierte das Rio-Ergebnis scharf: Das Modell einer Green Economy sei nicht mehr als bloße „grüne Fassade - die grüne Farbe dafür kommt von US-Dollar-Scheinen“. Angesichts des ungebremsten Klimawandels und einer Milliarde hungernder Menschen müsse dringend ein Paradigmenwechsel her, und den habe Rio keinesfalls eingeleitet: „Wir sind von Rio sehr enttäuscht.“ Der Visionär Acosta fragte weiter: „Wie können wir eine Gesellschaft aufbauen, in der die Beziehung zur Natur in den Mittelpunkt gestellt wird?“
Im Gegensatz zu Acosta stellte die deutsche Bundeskanzlerin das Rio-Konzept der Green Economy nicht in Frage, sondern sieht in dessen Umsetzung einen wesentlichen Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit: „Unsere Art zu leben und zu wirtschaften zeigt sich als nicht mehr zukunftsfähig. Wenn wir unsere Wirtschaftsweise nicht ändern, dann berauben wir uns unserer Lebensgrundlagen.“ Sie plädierte für ein qualitatives Verständnis von Wachstum, welches die Bedürfnisse der künftigen Generationen berücksichtigte. „Ein solches Verständnis von Nachhaltigkeit setzt sich in Deutschland durch. Was wir in zehn Jahren Nachhaltigkeitsstrategie erreicht haben, kann sich durchaus sehen lassen. Das ist auch ein Verdienst des Nachhaltigkeitsrates.“

Umweltorganisationen sahen die Ergebnisse als mangelhaft an, da kaum konkrete Rgelungen geschaffen wurden. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, kritisierte die wenig konkreten Zielvorschläge: "Blumige Absichtserklärungen und ein Aufguss früherer Gipfelbeschlüsse helfen dem globalen Ressourcenschutz nicht." Auch Entwicklungsminister Dirk Niebel kritisierte, dass noch mehr Themen zur Verhandlung hätten stehen können, um mehr Ergebnisse z.B. im Bereich der erneuerbaren Energie zu erreichen.


Dokumente
Interne Links
Externe Links
Offizielle Homepage Rio +20
United Nations
UNEP Homepage zu Green Economy
Rat für Nachhaltige Entwicklung
Rio+20: Entwicklungsländer hinterfragen Konzept einer „grünen“ Wirtschaft

Schlagworte

Erdgipfel, Rio, Weltgipfel

Letzte Aktualisierung

14.10.2015 10:44

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