EU Forschungsrahmenprogramm, 2007

Finanzierung von Forschung und Entwicklung
Das 7. FRP besteht aus sieben sog. Speziellen Programmen.
  1. Das Spezifische Programm Zusammenarbeit (Cooperation) unterstützt Forschungsprojekte, in denen neues Wissen für die europäischen Länder geschaffen wird, wobei die gesellschaftliche Verwertbarkeit der Resultate im Vordergrund steht. Es enthält zehn Themenbereiche: Gesundheit; Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Biotechnologie; Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT); Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien; Energie; Umwelt (einschließlich Klimaänderung); Verkehr (einschließlich Luftfahrt); Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften (Neuer Bereich im 7.FRP); Weltraum; Sicherheit (Neuer Bereich im 7.FRP)
  2. Das Spezifische Programm Ideen (Ideas) unterstützt Einzelwissenschaftler in der Grundlagenforschung. Die Vergabe der Fördermittel wird durch den europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) organisiert.
  3. Das Spezifische Programm Menschen (People) fördert die Mobilität von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern im Rahmen der Marie-Curie-Maßnahmen.
  4. Das Spezifische Programm Forschungskapazitäten (Capacities) unterstützt Vorhaben, die dem Ausbau des europäischen Forschungsraums dienen.
  5. Das Spezifische Programm Gemeinsame Forschungsstelle (nicht-nukleare Aktivitäten)
  6. Das Spezifische Programm EURATOM
  7. Das Spezifische Programm Gemeinsame Forschungsstelle (nukleare Aktivitäten)
Das 7. FRP unterstützt nur Projekte, die dem Ethikcode und der geltenden Rechtssprechung entsprechen, dazu gibt es entsprechende Leitfäden insbesondere bzgl. Embryonenforschung, Genetischem Material, Datenschutz, u.a.: "Getting Through Ethics Review". Dazu ein Artikel in Technology Ireland 03/07: "The EU gets tough on ethics".

Hier finden Sie Informationen zur Struktur des 7. Forschungsrahmenprogramms.

Umwelt und Nachhaltigkeit im 7.FRP
Der Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung soll laut Programmbeschreibung übergeordnetes Ziel aller Projekte sein. Innerhalb der Umstrukturierung vom 6. FRP zum 7. FRP wurde der Themenbereich Nachhaltige Entwicklung, Globale Veränderungen und Ökosysteme in den Bereich Umwelt (einschließlich Klimaänderung) überführt.

Aus dem offiziellen Dokument der EU zum spezifischen Programm "Zusammenarbeit", S. 173-185:

"6. Umwelt (einschließlich Klimaänderungen)
Ziel: Nachhaltiges Management der Umwelt und ihrer Ressourcen durch die Erweiterung der Kenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Klima, Biosphäre, Ökosystemen und menschlichen Tätigkeiten, durch die Entwicklung neuer Technologien, Werkzeuge und Dienstleistungen, um globale Umweltprobleme mit einem integrierten Ansatz lösen zu können. Schwerpunkte: Vorhersage von Veränderungen beim Klima sowie bei Öko-, Erd- und Meeressystemen; Werkzeuge und Technologien zur Überwachung, Verhütung und Abschwächung von Umweltbelastungen und -risiken sowie zur Anpassung daran, auch im Hinblick auf die Gesundheit, sowie für die Nachhaltigkeit der natürlichen und vom Menschen geschaffenen Umwelt."

"Das Netzwerk der Nationalen Kontaktstellen Umwelt informiert deutsche Interessenten über Förderthemen und Förderinstrumente und berät sie bei der Antragstellung in Thema 6 'Umwelt (einschl. Klimaänderung) im Spezifischen Programm "Zusammenarbeit" des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms."

Das 7. Rahmenprogramm für die Finanzierung von Forschung und Entwicklung verzeichnet mit 50 Mrd. € eine Budgetsteigerung von 41% gegenüber dem Vorläufer, war vor massiven Kürzungen in der Planungsphase 2005 aber noch auf 72 Mrd. € (Quelle: Annahme durch die Kommission, S. 61) ausgelegt:

Kritik und Stellungnahmen
Eine gemeinsame Stellungnahme mehrerer Umweltverbände: "Wie sehen die Pflanzen der Zukunft aus? NABU kritisiert Ausrichtung von EU-Forschungsprogramm zu Agrar und Ernährung. 2,5 Milliarden Euro allein für Interessen der Industrielobby": Die Verbände kritisieren, dass über Forschungsplattformen wie z.B. "Plants for the Future" eine einseitige Ausrichtung auf molekularbiologische Technologien betrieben werde. Gefördert würden Produktentwicklungen für internationale Großunternehmen und nicht Lösungen für Landwirte, Verbraucher und die Umwelt vor Ort. Kleine und mittelständische Unternehmen, Verbraucher-, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, ökologische Landwirte und kritische Wissenschaftler blieben außen vor. Der Offene Brief vom Februar 2006 als PDF beim NABU.

Zwischenevaluation des 7. FRP und Folgeprogramm Horizon 2020
Die Europäische Kommission hat am 30.11.2011 ihre Vorschläge für das Rahmenprogramm 2014-2020 "Horizon 2020" veröffentlicht. Es stellt ein zusammenfassendes Folgeprogramm zu den bisherigen Forschungsrahmenprogrammen, den forschungsrelevanten Teilen des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP), sowie das Europäisches Technologieinstitut (EIT) dar.

Bei der Initiierung des 7. Forschungsrahmenprogramms wurde die Zwischenevaluation des Programms durch Experten festgelegt. Diese Bewertung liegt seit dem 12. November 2010 vor und umfasst 10 Empfehlungen für die restliche Laufzeit des 7. FRP (2007-2013) und das Nachfolgeprogramm Horizon 2020 ab 2014:

1. "Stärkerer Beitrag der RP zur Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums und der Ziele der Innovationsunion durch Integration der Forschungsbasis und Defragmentierung der Forschungslandschaft sowie eine bessere Arbeitsteilung zwischen EU- und nationalen Programmen. Konzentration der Mittel insbesondere auf Themen mit notwendiger kritischer Masse und internationaler Dimension (große gesellschaftliche Herausforderungen) und/oder Innovationspotential.
2. Ausbau der Forschungsinfrastrukturen
3. Budget soll (mindestens) auf geplanter Höhe bleiben, sowohl für die verbleibende Laufzeit des 7. FRP als auch für das Nachfolgeprogramm
4. Wohldurchdachte Innovationsstrategie
5. Quantensprung bei Maßnahmen zur Vereinfachung (Simplification), im 7. FRP durch die Umsetzung der bereits vorgeschlagenen Maßnahmen, im Nachfolgeprogramm durch die geänderte Haushaltsordnung
6. Besserer Mix der Förderansätze zwischen bottom-up und top-down
7. Moratorium für neue Instrumente
8. Stärkere Beteiligung von Frauen
9. Bessere Voraussetzungen für die Beteiligung von Mitgliedstaaten, die im Programm bisher unterrepräsentiert sind
10. Überprüfung der Strategie für internationale Kooperation"

Das ganze Dokument finden Sie hier: |Interim Evaluation of the Seventh Framework Programme. Report of the Expert Group. Zu dieser Evaluation gibt es auch eine Stellungnahme der EU-Kommission.

Mit dem Auslaufen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramm am 31.12.2013 ersetzt Horizont2020 ab dem Jahre 2014 seinen Vorgänger als neues EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation.
"Horizont 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Als Förderprogramm zielt es darauf ab, EU-weit eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen sowie gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Um gezielt in die Gesellschaft wirken zu können, setzt das Programm Schwerpunkte und enthält einen umfassenden Maßnahmenkatalog." (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung)

Dokumente
Interim Evaluation of the Seventh Framework Programme. Report of the Expert Group
Stellungnahme der EU-Kommission zur Mid-Term-Evaluation des 7.FRP
Mary Fitzgerald: "The EU gets tough on ethics", 03.2007

Interne Links
Externe Links
Das Deutsche Portal zum 7. Forschungsrahmenprogramm:
Übersicht über das 7. FRP
Inhalte / Themen des 7. FRP
7. FRP bei der Europäischen Kommission
Netzwerk der Nationalen Kontaktstellen Umwelt
Linkdossier bei Euractiv.com zum 7. FRP

Schlagworte

Forschungsprogramm

Letzte Aktualisierung

29.09.2015 10:20

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