Genuine Progress Indicator

Der Genuine Progress Indicator (GPI, deutsch: „Echter Fortschrittsindex“) ist ein alternativer Indikator für den Entwicklungsfortschritt eines Landes und baut auf dem Index of Sustainable Economic Welfare (ISEW) auf. Er basiert auf dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), erweitert es jedoch um die soziale und ökologische Dimension und inkludiert Kosten und Leistungen, die nicht am Markt gehandelt werden bzw. nicht monetär sind. Diese Anpassungen versuchen die Schwächen des BIP auszugleichen und ermöglichen einen umfassenderen Überblick über den Wohlstand eines Landes.

Der GPI ist eine Erweiterung des ISEW, der 1989 von Herman Daly und John Cobb entwickelt und 1994 von Clifford und John Cobb angepasst wurde. Clifford Cobb, Ted Halstead und Jonathan Rowe entwickelten 1995 den Genuine Progress Indicator bei der Organisation „Redefining Progress“.

Bei der Berechnung werden wie beim ISEW die folgenden drei Schritte vollzogen. Die Basis sind Ausgaben für den privaten Konsum gewichtet mit einem Index für Einkommensungleichheit, um die sozialen Kosten von Ungleichheit auszugleichen. Im zweiten Schritt werden ökonomische Leistungen, die nicht am Markt gehandelt werden wie freiwillige Arbeit, Hausarbeit oder Kindererziehung hinzugezählt. Des Weiteren unterscheidet der GPI zwischen nachhaltigem und nicht nachhaltigem Konsum, wobei die jährlichen Ausgaben für Konsumgüter vom GPI abgezogen werden, während ihr wahrer Nutzen addiert wird. Somit bewertet der GPI die Haltbarkeit von Produkten und öffentlicher Infrastruktur. Im dritten Schritt werden defensive Ausgaben, wie Kosten nach Autounfällen, die zur Vermeidung oder Reparatur von „Störungen“ dienen, abgezogen. Weiters werden Kosten, die mit dem Abbau von Naturkapital assoziiert werden (Ressourcenverbrauch, langfristige Umweltschäden, Klimaveränderung, Umweltbelastung,) subtrahiert.

Im Unterschied zum ISEW werden defensive Ausgaben für Gesundheit und Bildung sowie Verlust von Wäldern nicht berechnet, während Abzüge für Arbeitslosigkeit und den Verlust von Freizeit miteingerechnet werden. Ebenso fließt die Abhängigkeit eines Staates von ausländischen Kapitalgebern in die Berechnungen mit ein. Die Methodologie ist wie beim ISEW nicht fest definiert, sondern wird bei Länderstudien weiterentwickelt und an die lokale Datenlage adaptiert. Berechnungen des GPI gibt es unter anderem für Australien und die Vereinigten Staaten. Ein steigender GPI zeigt, dass sich eine Nation auf einem nachhaltigen Weg befindet, während ein fallender GPI das Gegenteil bedeutet.

Dokumente
"Wachstum im Wandel" Dossier

Interne Links
Externe Links
Jackson, Tim und McBride, Nat (2005). Measuring Progress? A review of adjusted measures of economic welfare in Europe. Report to the European Environment Agency.
Talberth, John (2012). Contribution to Beyond GDP Virtual Indicator Expo. Genuine Progress Indicator.
Talberth, John, Cobb, Clifford und Slattery, Noah (2007). The Genuine Progress Indicator 2006. A Tool for Sustainable Development.


Literaturangaben
Cobb, Clifford, Halstead,Ted und Rowe, Jonathan (1995). The Genuine Progress Indicator. Summary of data and Methodology. San Francisco: Redefining Progress.

Schlagworte

Indikator

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:08

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