National Accounts of Well-Being

Die National Accounts of Well-Being (NAWB) wurden 2009 von der new economics foundation (nef), ein “think-and-do-tank”, der alternative Konzepte zum Mainstreampfad der Ökonomie entwickelt, ins Leben gerufen. Es ist ein erster Vorschlag, erlebtes Wohlbefinden auf eine multidimensionale Weise zu messen. Hauptdimensionen sind dabei, sich selbst gut zu fühlen („Personal Well-Being“) und gut in seiner Umwelt integriert zu sein („Social Well-Being“). Sie hängen von individuellen Ressourcen und von äußeren Bedingungen ab.

Das Konzept der „National Accounts of Well-Being“ geht über traditionelle Well-Being-Messungen, die auf Lebenszufriedenheit und Glück fokussieren, hinaus. In diesem Verständnis ist Wohlbefinden mehr als Lebendzufriedenheit. So beinhaltet die Hauptdimension „Social Well-Being“ das Sozialkapital von Personen – die Stärke von Beziehungen sowie das Zugehörigkeitsgefühl und das Vertrauen. Unter „Personal Well-Being“ werden neben Gefühlen und Lebenszufriedenheit, Vitalität, Resilienz und Selbstvertrauen sowie „Positive Functioning“, im Sinne von Ausschöpfung des eigenen Potenzials, betrachtet.

Die Daten wurden im Rahmen der European Social Survey gemeinsam mit Filica Huppert von der Cambridge University erhoben und 2007 veröffentlicht. Diese Datenbank enthält Antworten von 40.000 Personen aus über 20 Europäischen Ländern. Die Standardisierung für deren weitere Verwendung im NAWB-Modell erfolgt auf drei Stufen: Für jede Frage werden die Daten auf eine Skala konvertiert, wobei 0 der europäische Durchschnitt ist. Da die einzelnen Fragen unterschiedliche Varianzen aufweisen, wird die Differenz zum Durschnitt mit Hilfe der Standardabweichung normiert (z.B. eine Abweichung um plus eins bedeutet eine Abweichung von einer Standardabweichung). Zweitens, werden für jedes Set an Fragen die standardisierten Daten gemittelt. Im dritten Schritt werden die Werte zwischen 0 und 10 skaliert, wobei 5 der europäische Durchschnitt ist.

Das NAWB-Modell ist flexibel in der Ergebnisbetrachtung. So können die Ergebnisse auf drei Ebenen analysiert werden: individuelle Faktoren, Mehrkomponentenindikatoren (wie Vitalität oder Zugehörigkeitsgefühl) oder die Hauptdimensionen („Social“ oder „Personal Well-Being“). Des Weiteren kann die Wichtigkeit der einzelnen Faktoren flexibel bestimmt werden, was je nach Gewichtung zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Eine weitere Möglichkeit ist die Betrachtung von Netzdiagrammen für einzelne Länder oder Bevölkerungsgruppen, die eine detailliertere Betrachtung erlauben.

Im Länderranking erreicht im Bereich „Personal Well-Being“ Dänemark, gefolgt von der Schweiz, Österreich und skandinavischen Ländern, die höchsten Werte von 22 europäischen Ländern. Am Ende der Skala sind Zentral- und Osteuropäische Länder wie Ukraine, Bulgarien und Ungarn. In der zweiten Hauptdimension „Social Well-Being“ liegt wiederum Dänemark an der Spitze, gefolgt von Norwegen und Spanien, das im Vergleich zu „Personal Well-Being“ einige Plätze aufgeholt hat. Schlusslichter sind wiederum Zentral- und Osteuropäische Länder wie die Ukrainie oder die Slowakei. Überraschend liegen aber auch große Nationen wie Frankreich, Deutschland oder UK bei „Social Well-Being“ im Schlussfeld.

Dokumente
"Wachstum im Wandel" Dossier

Interne Links
Externe Links:
2009: National Accounts of Well-Being. bringing real wealth onto the balance sheet.
2011: National Accounts of Well-Being.
2013: National Accounts of Well-being.

Schlagworte

Index

Letzte Aktualisierung

12.11.2015 10:09

Diesen Artikel: