Solidarische Landwirtschaft

Einleitung

Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft entspricht einer bewährten Praxis seit der frühesten Menschheit, denn auch damals waren Menschen mit dem Land verbunden, dass sie ernährte. Die Idee, die hinter dem Begriff der "solidarischen Landwirtschaft" steckt, ist folgende: Mehrere Privat-Haushalte tragen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Die Lebensmittel der Landwirtschaft werden dabei nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen ein in einen eigenen, von Teilnehmerseite mit organisierten und finanzierten, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf. Aufgrund des gemeinsamen Erfolgs und ebenfalls Risiko, erleben sowohl die ErzeugerInnen als auch die KonsumentInnen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen und marktunabhängigen Landwirtschaft.

Entwicklung

Ursprünglich entstand das Konzept in den 1960er Jahren in Japan, wo heute etwa ein Viertel der Haushalte an einem Teikei, zu deutsch „Partnerschaft" beteiligt sind. Weiterentwickelt wurde das Konzept in den 1980er Jahren in den USA um den biodynamischen Landwirt Trauger Groh und durch den aus der Schweiz eingewanderten Jan VanderTuin, in Form der Community-supported agriculture (CSA) genannten Wirtschaftsweise. Gleichzeitig war CSA eines der favorisierten Konzepte auf dem Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre (Brasilien).

Das Konzept wurde in Deutschland und weiteren Ländern einem breiteren Publikum erstmals 2005 durch den Dokumentarfilm Farmer John – Mit Mistgabel und Federboa bekannt. Im Frühjahr 2013 wurde der Dokumentarfilm "Die Strategie der krummen Gurken" über ein Projekt Solidarischer Landwirtschaft in Deutschland, der Gartencoop Freiburg, vom alternativen Filmkollektiv Cine Rebelde veröffentlicht.

In Deutschland hingegen gilt der Demeter-Betrieb Buschberghof in Fuhlenhagen als Keimzelle für die zurzeit 62 solidarisch geführte Landwirtschaftsgemeinschaften (SoLaWi). Viele weitere Ökobauernhöfe bieten als wesentlich einfachere Variante sogenannte Ökokisten im regelmäßig kündbaren Abonnement an.

Aufbau und Organisation: Beispiele

Um eine solidarische Landwirtschaft zu gründen, müssen einige Schritte beachtet werden:
1. Kerngruppe gründen und gegenseitige Bedürfnisse absprechen:
Innerhalb dieser Kerngruppe sollte festgelegt werden, welche Lebensmittel bei welchem Landwirt bezogen werden können und sollen. Außerdem sollte sich die Gruppe überlegen, welche Aufgabenbereiche und Verantwortungen die Gruppe übernehmen möchte, um die Landwirte zu entlasten.
2.Weitere Mitglieder werben:
Beim Neuwerten von Mitgliedern sollte im Vordergrund stehen, dass die Menschen gerne viel über die Herkunft ihrer Produkte wissen, sich engagieren wollen und gerne kochen.
3. Landwirte bzw. Landwirtinnen finden sowie dazugehöriges Land:
Falls das nicht schon im ersten Schritt passiert ist, erfolgt nun das Suchen passender Landwirte, die das Vorhaben mit unterstützen und tragen wollen.
4. Rechtliche und organisatorische Strukturen schaffen:
Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft festlegen, sowie das Angebot (Menge, Anbau, Ernte), die Verteilung (Orte, Zeiten, Mengen), die Mitgliedsbeiträge, und die Aktivitäten auf dem Hof.

Teilnehmende Gemeinschaften aus Deutschland
Damit das Konzept der SOLAWI auch in Deutschland vermehrt Anhänger findet informiert das "Netzwerk Solidarische Landwirtschaft" über das Konzept, unterstützt Interessierte die sich gerne einer Gemeinschaft anschließen würden und berät bei der Gründung neuer Initiativen. Zusätzlich findet man auf der Website des Netzwerkes auch Informationen über aktuelle Veranstaltungen und Treffen der Mitglieder sowie eine Mediathek mit Film-, Audio-, und Literaturhinweisen. Darüber hinaus ist hier auch eine Ausgiebige Liste der Teilnehmer der solidarischen Landwirtschaft zu finden. Insgesamt gibt es in Deutschland 80 bestehende Solawi-Betriebe. Dem hinzu kommen mindestens 95 Solawi-Initiativen.

Eines dieser Projekte der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland ist die GartenCoop Freiburg. Hierbei handelt es sich um einen Verein mit 290 Mitgliedern und einer gepachteten Fläche von 9 Ha Land. Gegründet wurde der Verein im Jahre 2009 von Gärtnern, Städtern, Landwirten, Klimaaktivisten und sozial engagierten Menschen. Die Mitglieder bauen vor allem Gemüse und Getreide an, das dann einmal pro Woche auf verschiedene Depots in und um Freiburg verteilt wird. An diesen Depots kann sich jeder Teilnehmer die benötigten Agrarprodukte abholen. Die Höhe der Kosten kann das Mitglied selber bestimmen. Auf diese Weise können auch Menschen mit einem geringeren Einkommen an der GartenCoop teilnehmen.

SOLAWI und Nachhaltigkeit
Die solidarische Landwirtschaft basiert auf einer klaren Teilung der Verantwortung zwischen Verbrauchern und den Bauern, als Erzeuger hochwertiger, nachhaltiger und ökologisch wertvoller Lebensmittel.
Die Umsetzung des Konzeptes der solidarischen Landwirtschaft unterstützt die ökologische Nahrungsmittelproduktion und trägt somit zur nachhaltigen Entwicklung bei. Da die Landwirte frühzeitig finanziell unterstützt werden, können sie sich auf eine nachhaltige Produktion biologischer Agrarprodukte konzentrieren. Hierdurch kann der Zustand der Böden, der Einsatz umweltfreundlicher Düngemittel und natürliche Entwicklung beim Anbau und der Produktion berücksichtigt werden.
Durch die festgelegten Summen kann in der Regel auch die persönliche finanzielle Situation einzelner Landwirte berücksichtigt werden. Von zentraler Bedeutung ist, dass sämtliche, mit der Produktion einhergehende Kosten, durch den Betrag gedeckt sind. Hierbei müssen nicht nur die Kosten für die Angestellten bedacht werden, sondern auch das Einkommen der Landwirte. Da vom Konzept der solidarischen Landwirschaft beide Parteien profitieren stellt diese durchaus eine Alternative zur profitorientierten Landwirtschaft. Allerdings ist es fraglich ob die SOLAWI auch für eine größere Menge Abnehmer geeignet ist. Hierzu wäre zunächst eine größere Zahl teilnehmender Höfe von Bedeutung um sämtliche Nachfragen zu befriedigen.

Interne Links

Externe Links

zeit.de
solawikoeln.de
solidarische-landwirtschaft.org
zeit.de

Schlagworte

Definitionen, Landwirtschaft

Letzte Aktualisierung

01.07.2015 10:11

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