Kompostierbares Plastik

Einleitung

Herkömmliches Plastik wird normalerweise aus Erdöl gewonnen. Erdöl ist jedoch eine Ressource, die knapp und daher immer teurer wird. Zurzeit aber werfen allein die Deutschen jedes Jahr noch etwa 5,5 Millionen Tonnen herkömmliches Plastik auf den Müll. Oft landet es zunächst sogar dort, wo es ganz und gar nicht hingehört: in Wäldern, an Straßenrändern oder im Meer. Daher greift man bereits seit einigen Jahrzehnten international auf die Herstellung von kompostierbarem Plastik zurück, was in der Forschung bereits seit 20 Jahren möglich ist. Und auch die Industriestandards existieren dafür seit den neunziger Jahren. Allerdings ist abbaubares Plastik in Deutschland von den Verbraucher noch nicht genügend akzeptiert, sodass sich die Frage stellt, weshalb dem so ist.


Verschiedene Sortenbezeichnungen

Die Vermutung, dass die verschiedenen Sortenbezeichnungen Verbraucher verwirren könnte, äußert die deutsche Chemikerin Sonja Herres-Pawlis von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die Begriffe "oxo-abbaubar", "biologisch", "kompostierbar" seien für den Verbraucher verwirrend, da sie nach ähnlichen Eigenschaften klingen. Allerdings sind diese drei Begriffe in Wahrheit höchst unterschiedlich.

  • "oxo" abbaubare Materialsorten
Oxo-abbaubare Materialien bestehen aus herkömmlichem Plastik, die sich, laut Herstellern, später selbst zersetzen sollen. Damit dieser Zerfallsprozess in Gang gesetzt wird, werden den Materialien Metalle beigemischt. Eine Studie zu diesem oxo-abbaubaren Kunststoff (Feuilloley et al. 2005) zeigte jedoch, dass gerade einmal 15 Prozent des Kunststoffs der Tüten sich innerhalb eines Jahres zersetzte. Das Vergleichsprodukt aus Bi-Mater löst sich dagegen fast vollständig auf. Folgestudien, die die Hersteller des Oxo-Plastiks später als Argument für ihr Material ins Feld führten, beschränkten sich lediglich auf Teilaspekte des Zersetzungsprozesses.

Daher konnte bisher in keiner Untersuchung nachgewiesen werden, dass "oxo" abbaubare Tüten sich wirklich in der Umwelt ohne Rückstände zersetzen lassen. Deshalb ist der Begriff "oxo-abbaubar" irreführend, weil viele Menschen ihn mit "bio" gleichsetzen. Das britische Umweltministerium spricht dem Oxo-Plastik sogar jegliche Vorteile ab. Britische Fachleute sind sogar der Meinung, dass es die Umwelt mehr be- als entlasten könnte. Denn unklar sei bisher immer noch, was mit den Plastikresten passiere, wenn sie erst einmal in den Boden gelangen und ob diese Überreste nicht sogar ebenfalls Vögel, Fische oder Säugetiere vergiften könnten.

  • "biologisch" abbaubare Materialsorten
Plastiktüten, die das Label "Bioplastik" tragen, bezeichnen eine Kunststoffsorte, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Ob sich diese Sorte wie eine Pflanze abbaut, ist noch nicht erwiesen. Die "Plantbottle", die Coca Cola zeitweilig bewarb, bestand aus Mais und Zuckerrüben. Jedoch zersetzte sie sich genauso schlecht wie eine herkömmliche PET-Flasche aus Erdöl.

  • "kompostierbare" Materialsorten
Als kompostierbar deklariertes Plastik kann sich wirklich zu Kompost aufzulösen. Dies funktioniert allerdings nur in speziellen Kompostiergroßanlagen, was wiederum zu dem Problem führt, dass die herkömmlichen Kompostanlagen nicht zwischen konventionell hergestelltem Plastik und Biokunststoffen unterscheiden können. Dies hat zur Folge, dass Kompost-Plastik aussortiert und mit dem herkömmlichen Kunststoff verbrannt.


Problembereiche des kompostierbaren Plastiks

Eine Trennung von den verschiedenen Plastiksorten wäre möglich, zumal die Technik in Form von Lasersensoren dafür bereits existiert. Doch die Abfallindustrie will das abbaubare Plastik nicht in ihrem Kompost haben, da es weder organische Substanz noch Nährstoffe liefere.
Die Ursache für diesen Streit liefert die EU-Norm 14995 nach dieser kompostierbares Plastik innerhalb von zwölf Wochen verrotten und danach nur noch zehn Prozent größere Plastikteilchen enthalten darf. Kristy-Barbara Lange vom Bioplastik-Verband Bioplastics Europe entgegnet dem jedoch, dass es sich dabei nur um einen Standard handele und sich die meisten kompostierbaren Plastiktüten viel schneller zersetzen. Man könne im schlimmsten Fall auch die Reste herausfiltern und eine weitere Runde mitkompostieren lassen. Dass Plastik keine Nährstoffe einbringe, kann sie nicht nachvollziehen. "In der EU-Norm steht, dass das Plastik das gleiche Level an Nährstoffen wie Zellulose haben muss. Wenn also unser Plastik wirklich nichts einbringt, dann dürften Gartenabfälle wie Gras und Blätter ebenfalls nicht auf dem Kompost landen. Die sind schließlich auch nichts als Zellulose."

Ein weiterer Problemfall kompostierbaren Plastiks ist neben der Plastiktüte die Plastikflasche. Reguläre Plastikflaschen werden unter anderem oft deswegen kritisiert, weil sich hormonhaltige Substanzen lösen könnten, die man womöglich mittrinkt. Um dem Verbraucher eine Alternative anzubieten, hat die Drogeriekette Ihr Platz kompostierbare Flaschen in ihr Angebot aufgenommen. Diese musste die Drogeriekette kurz darauf wieder vom Markt nehmen, da Mängel wie Säure in Säften nicht vorkommen dürfen.

Auch Umweltexperten sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass die alternativen Stoffe wirklich ökologische Vorteile haben. Im Bundesumweltministerium heißt es: "Die Kunststoffe sind gesamtökologisch bestenfalls ähnlich zu bewerten wie konventionelle Kunststoffe." Sie brächten einige Nachteile mit sich: Boden und Wasser würden überdüngt, um die Rohstoffe schnell nachwachsen zu lassen. Wenig Vorteilhaftes zeigt auch die jüngste Studie des Bundesumweltamtes zu Biokunststoffen. Demnach hätten sie zwar eine bessere Klimabilanz, allerdings schnitten sie bei anderen Umweltfaktoren schlecht ab. Bei ihrer Herstellung etwa werde mehr Feinstaub ausgestoßen.
Auch angesichts der Hungersnöte in der Welt scheint es vielen unverständlich, dass aus Rüben und Mais ausgerechnet Plastik werden soll. Doch Frau Lange vom europäischen Bioplastikverband hält dagegen und sieht sich mit der kleinen Bioplastikbranche noch lange nicht im kritischen Bereich. Allerdings wolle man auch Alternativen finden. Außerdem betont sie den entscheidenden Vorteil von Bioplastik: Es schont das Klima. Nach Berechnungen des Verbandes werden bei der Produktion des biologischen Kunststoffes 30 bis 70 Prozent weniger CO? ausgestoßen – berücksichtigt man das Material, die Anwendung und die Lebensdauer des Produkts.

Die Ursache, weshalb abbaubares Plastik in Deutschland noch nicht marktfähig ist, liegt also weniger am Verbraucher, sondern größtenteils an der deutschen Gesetzgebung und an den unterschiedlichen Positionen von Herstellern und Müllentsorgern sowie der noch nicht ganz ausgefeilten Technik. Dieses Problem stellt sich in Frankreich bald nicht mehr, da dort die Sozialisten alle Tüten verbieten wollen, die sich nicht biologisch abbauen lassen.


Alternativprojekt: "Original Unverpackt"

Eine Alternative zu Plastiktüten bietet das Supermarkt-Konzept "Original Unverpackt" in Berlin, welches auf Einwegverpackungen verzichtet. Mit ihrem Konzept richten sich die Erfinder nicht nur an Kunden, die großen Wert auf bewusstes Konsumieren legen. Sie richten sich auch an diejenigen, die selbst bestimmen wollen wie sie einkaufen und wissen wollen wo etwas herkommt und was in ihren Lebensmitteln drin ist. Mit "Original Unverpackt" wollen die Erfinder in der Nahrungsmittelbranche langfristig eine echte Alternative zu herkömmlichen Super- und Biomärkten sein, da sich jeder abfüllen kann, was er an Menge benötigt.
In dem Einkaufsladen werden die Lebensmittel in sogenannten Bulk Bins (Spendersystemen) aufbewahrt und können einfach per Handdruck in selbst mitgebrachte Behältnisse umgefüllt werden. Sollten die Kunden bei einem Spontan-Einkauf keine eigenen Gefäße dabei haben, können sie sich Behälter aus unserem Pfandsystem leihen oder bereitgestellte Recycling-Papiertüten verwenden. Außerdem werden neben Bioprodukten und regionalen Produkten auch konventionelle Produkte, sowie eine breite Auswahl an naturbelassenen Drogerie-Artikeln (zum Nachfüllen) angeboten.

10 Tipps für den Verzicht

Bis sich der kompostierbare Plastik weltweit durchgesetzt har, kann jeder einzelne etwas tun, um die Umweltverschmutzung durch Plastik zu reduzieren. Hier ein paar Tipps wie der eigene Plastikverbrauch verringert werden kann:

1. Verwendet beim Einkauf eure eigenen Stoffbeutel - In Amerika wurden die umweltschädigenden Plastiktüten bereits aus 100 Städten verbannt. Bis dieser Ansatz auch in Deutschland umgesetzt wird, geht noch einige Zeit ins Land. Deswegen ergreift slber Initiative und verändert etwas indem ihr beim Einkauf auf Plastiktragetüten verzichtet und eigene Taschen verwendet.

2. Verzichtet auf Plastikflaschen - Ein weltweit großes Problem ist die Verschmutzung mit Plastikflaschen. Es dauert ca. 450 Jahre (!) bis eine Plastikflasche durch natürliche Prozesse zersetzt wird. Allein aus diesem Grund ist die Nutzung von Glas- oder Metallflaschen schon förderlicher. Aber selbst wer verstärkt auf Plastikflaschen setzt sollte bedenken, dass diese mehrfach verwendet werden können. Zudem gibt es zahlreiche Upcycling-Methoden die einer Plastikflasche nach gebrauch noch einen sinnvollen Zweck zukommen lassen.

3. Vermeidet die Verwendung von Frischhaltefolie - Anstatt Nahrungsmittel in Frischhaltefolie zu verpacken sollten diese lieber in Glasbehälter gelagert werden. Diese können gegebenfalls auch in der Mikrowelle erhitzt werden.

4. Die gute alte Lunchbox - Zurück zu den Wurzeln. Die Verwendung von Lunchboxen in denen euer Frühstück transportiert wird kann die eingeschweißten Nahrungsmittel ersetzen. Zudem ruft diese bei dem ein oder anderen bestimmt Kindheitserinnerungen wach.

5. Augen auf beim Einkauf - Wer beim Einkauf die Umwelt schonen will, sollte darauf achten weniger in Kunststoff verpackte Elemente zu kaufen. Dies gilt unter anderem für den Kauf von Gemüse und anderen Nahrungsmitteln. Bringen Sie notfalls eigene Aufbewahrungsmittel von zu Hause mit und verzichten Sie auf die standardmäßige Plastiktüte.

6. Nur keine Scheu in der Öffentlichkeit - Wer gerne zu Fast-Food greift, kann ebenfalls aktiv gegen Plastik vorgehen. Bringen Sie beispielsweise beim nächsten Chinarestaurantbesuch ihre eigene Box mit und bitten Sie darum diese mit der gewünschten Speise zu füllen.

7. Nightlife - Wer gerne Abends noch etwas trinken geht und dabei öfters zur Cocktail Karte greift kann dabei auch die Umwelt vor unnötiger Plastikverschmutzung schützen. Verzichten Sie einfach auf die Strohhalme und bringen Sie gegebenenfalls eigene gläserne mit.

8. Gartenparty - Vor allem im Sommer ist es immer schön Grillfeste zu veranstalten. Wenn möglich sollte dabei jedoch auf das althergebrachte Partybesteck in Form von Plastikgabeln,- messern und -tällern verzichtet werden. Wer keine Spülmaschine zur Hand hat ist am besten damit beraten Finger-Food anzubieten.

9. Flüssigseife - Selbst beim Händewaschen ist nachhaltiges Handeln möglich, indem auf die Plastikbehälter der Flüssigseife verzichtet wird. Verwendet statdessen lieber Hartseifen.

10. Selber Aktiv werden - Jeder kann etwas tun ! Klärt eure Freunde und Familien über Umweltprobleme auf oder unterstützt den Umweltschutz indem Ihr selber aktiv in verschiedenen Organisationen werdet. Der Kampf gegen den Plastik ist nicht aussichtslos.

(Quelle: All at once


Dokumente

Düngemittelverordnung(DüMV)- Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz
"Degradation of Polyethylene designed for agricultural purposes"- Pierre Feuilloley, 2005

Interne Links

Externe Links

"Wo bleibt die Kompost-Tüte"- zeit-online.de
"Plastik aus Pflanzen"- zeit-online.de
"Das Gute statt Plastik"- zeit-online.de
european-bioplastics.org
original-unverpackt.de

Schlagworte

Bio, Lebensmittel, Plastik, Verbraucher, Verschmutzung

Letzte Aktualisierung

26.08.2015 13:50

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