SRU: Sondergutachten 2011

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat dem BMU hat 2011 zwei Sondergutachten veröffentlicht.

Anfang September erschien das Sondergutachten "Vorsorgestrategien für Nanomaterialien", in dem darauf hingewiesen wurde, dass "zur Verwirklichung des Vorsorgeprinzips alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um bestehende Wissenslücken zum Gefährdungspotential von Nanomaterialien zu schließen und Risiken für Mensch und Umwelt zu vermeiden".

Im Bezug auf Nachhaltigkeit ist jedoch das im Januar 2011 erschienene Sondergutachten "Wege zur 100% erneuerbaren Stromversorgung" von größerem Interessen, weswegen auf dieses hier detaillierter eingegangen wird. In diesem Sondergutachten wird anhand verschiedener Szenarien versucht darzustellen, ob und wenn wie eine aus 100% regenerativen Energien gespeiste und damit nachhaltige und klimaverträgliche Stromversorgung Deutschlands möglich wäre.

Die Kernfragestellungen des Gutachtens sind:

  • Ist eine Vollversorgung durch erneuerbare Energien im Strombereich für Deutschland technisch möglich? Könnte ein solches System die Versorgungssicherheit auf dem heutigen hohen Niveau gewährleisten?
  • Wie hoch müssen die Kosten einer regenerativen Vollversorgung und des Übergangs dorthin eingeschätzt werden?
  • In welchem zeitlichen Rahmen ist der Umstieg realistisch umsetzbar und welche Schritte sind dafür notwendig?
  • Welche Herausforderungen sind im Verlauf der Transformation der Stromversorgung zu bewältigen? Welche politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen müssen insbesondere im europäischen Kontext berücksichtigt werden und welche Gestaltungsspielräume bieten diese?
  • Welche politischen Maßnahmen und Steuerungsinstrumente können eingesetzt werden, um die Transformation effektiv und effizient zu gestalten?
Die Szenarien

Es wurden 8 Szenarien entwickelt, die alle von der Prämisse ausgehen, dass die Stromversorgung Deutschlands im Jahr 2050 zu 100% aus regenerativen Energien gespeist wird. Die Unterschiede zwischen den Szenarien finden sich in den Rahmenbedingungen bezogen auf die Vernetzung mit dem Ausland und der zu deckenden Stromnachfrage.
Diese 8 Szenarien lassen sich zu drei Hauptszenariengruppen zusammenfassen:
  • Szenariofamilie I - Modell einer nationalen Stromversorgung
  • Szenariofamilie II - Modell einer regionalen Kooperation mit skandinavischen Ländern
  • Szenariofamilie III - Modell eines europäisch-nordafrikanischen Stromverbundes
Ergebnisse

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass eine aus 100% erneuerbaren Energien gespeiste Stromversorgung Deutschlands möglich, sicher und bezahlbar ist.

Die bereits heute zur Verfügung stehende Technologie und hierbei insbesondere die Offshore-Windenergie sind dafür bereits ausreichend. Nach Erkenntnissen des Gutachtens sind keine AKW-Laufzeitverlängerungen und keine weiteren, besonders umweltschädlichen Kohlekraftwerke nötig, da die bereits bestehenden, konventionellen Kraftwerke bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 35 Jahren ausreichend für eine "Brückentechnologie" seien. Der Bau von einigen Gaskraftwerken wird allerdings nicht ausgeschlossen.

Zudem werden laut Gutachten erneuerbare Energien im Vergleich zu konventionellen Energieproduzenten aufgrund von Lern- und Skaleneffekten langfristig kostengünstiger sein, zumal die Begrenztheit der Ressourcen an Uran etc, der Emissionshandel im Fall der fossilen Energieträger und die nicht abschätzbaren Endlagerkosten radioaktiver Abfälle zu langfristig steigenden Kosten der konventionellen Methoden führen werden.

Zentrale Herausforderungen auf dem Weg zu einer 100% regenerativen Stromversorgung sind der Ausbau des Stromnetzes, der Ausbau der Speicherungsmöglichkeiten und die Energieeffizienzsteigerung.

Bezogen auf die Szenarien wird das Modell einer nationalen Stromversorgung aufgrund des europäischen Binnenmarktes für Elektrizität als nicht erstrebenswert deklariert. Hingegen weist das Gutachten auf die vielen Vorteile und Möglichkeiten von Verbundslösungen, insbesondere auf das Modell einer Kooperation mit den skandinavischen Ländern, hin.


Die Beschlüsse des Energiekonzeptes 2050 der Bundesregierung lassen solche Ergebnisse teils außer Acht. In der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion über den Atomausstieg wird sich zeigen, ob und inwieweit es zu Änderungen des Energiekonzeptes kommen könnte.


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Schlagworte

Atomausstieg, Beratung, Berichte, Brückentechnologie, Energieeffizienz, Energieversorgung, Erneuerbare Energien, Gutachten, Umweltrat

Letzte Aktualisierung

12.09.2014 12:21

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