Al Gore: Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde, 1992

Der frühere US-amerikanische Vizepräsident Al Gore erregt derzeit Aufsehen als Hauptdarsteller in dem Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth“, auf Deutsch "Eine unbequeme Wahrheit", und als Mitautor des gleichnamigen Buches. Ziel von Buch und Film ist, die Leser/Zuschauer über Treibhausgase und ihren Einfluss auf den Klimawandel zu informieren.

Das gefährdete ökologische Gleichgewicht der Erde hat Al Gore schon seit Jahren beschäftigt. Noch als Senator des Bundesstaates Tennessee (und vor seiner Vizepräsidentschaft) veröffentlichte er 1992 - rechtzeitig zum Erdgipfel in Rio de Janeiro - sein Buch "Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde". Darin schreibt er: "Wenn eine nachhaltige Entwicklung praktikabel sein soll, müssen wir also ganz offensichtlich unsere Haltung zur Wirtschaftspolitik verändern. Bei allernächster Gelegenheit sollten die Regierungschefs der Welt und ihre Wirtschaftsminister zu einem Weltgipfeltreffen zusammenkommen und neue Denkansätze für diese Herausforderung diskutieren, und dabei sollte die sofortige Einführung neuer wirtschaftlicher Spielregeln auf der Tagesordnung stehen. Meine Vorschläge lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Die Definition des Bruttosozialprodukts sollte so verändert werden, dass sie auch umweltrelevante Kosten und Nutzen einschließt.
  2. Die Definition von Produktivität sollte so geändert werden, dass sich darin Berechnungen des Fort- oder Rückschritts in Umweltfragen wiederfinden.
  3. Die Regierungen sollten sich auf die Abschaffung ungerechtfertigter Abschreibungsmethoden einigen und bessere Wege finden, um die Auswirkungen unserer Entscheidungen auf zukünftige Generationen quantitativ zu erfassen.
  4. Die Regierungen sollten staatliche Ausgaben abschaffen, mit denen umweltgefährdende Tätigkeiten subventioniert oder gefördert werden.
  5. Die Regierungen sollten für mehr und genauere Informationen über die Umweltverträglichkeit von Produkten sorgen und diese Informationen an die Verbraucher weitergeben.
  6. Die Regierungen sollten Maßnahmen ergreifen, um die umfassende Aufklärung über die Verantwortung der Firmen für Umweltschäden zu fördern.
  7. Die Regierungen sollten Programme schaffen, um Unternehmen bei der Untersuchung von Kosten und Nutzen umweltfreundlichen Verhaltens zu unterstützen.
  8. Die Länder sollten ihre Kartellgesetze novellieren, um umweltgefährdende Auswirkungen zu erfassen.
  9. Die Regierungen sollten verlangen, dass Standards des Umweltschutzes in Verträge und internationale Vereinbarungen einschließlich der Handelsabkommen aufgenommen werden.
  10. Aspekte der Umwelt sollten unter die Kriterien aufgenommen werden, nach denen die internationalen Finanzinstitutionen Anträge auf Entwicklungsgelder begutachten.
  11. Die Regierungen sollten sich stärker des Austausches »Schulden gegen Natur« bedienen, um Verantwortung für die Umwelt als Gegenleistung für Schuldenerlass zu fördern.
  12. Die Regierungen sollten in einem internationalen Abkommen Grenzen für die C02-Emissionen der einzelnen Länder festlegen und einen Markt für den Handel mit Emissionsrechten schaffen, an dem sich Länder mit höherem Bedarf und solche mit Überschüssen beteiligen."
Gerade die letzte Forderung, Einführung eines Emissionszertifikatehandels, wurde mit dem Kyoto-Protokoll erfüllt.


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Schlagworte

Al Gore, Emissionshandel, Klimaschutz, Literatur, Marshallplan

Letzte Aktualisierung

14.09.2015 09:35

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